Qualitätsprogramm zur Schulentwicklung
der Berufsbildenden Schule Hauswirtschaft / Sozialpädagogik
Beschlussfassung: 16. Juli 2003
Vorwort
Die Tatsache, dass fachsystematisch vermittelte Wissensbestände rasch veralten und Fachkenntnisse nur ein Teil der zur Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft benö-tigten Qualifikationen sind, muss zu der Konsequenz führen, schulische und berufliche Lernprozesse zu verändern. Dieser Prozess ist an der BBS H/S seit geraumer Zeit im Gange und wird in Zukunft ausgebaut.
Zentral dabei ist:
- Denken in übergreifenden, komplexen Strukturen
- Verständnis für gesellschaftliche, wirtschaftliche und organisatorische Zusammenhänge
- Fähigkeit, Probleme zu erkennen, zu analysieren und Lösungen zu entwickeln
- Entscheidungs- und Lernfähigkeit für sich und im Team
- Partizipation aller Beteiligten am Schulleben (Prozesse und Ergebnisse)
- Hilfe zur Selbsthilfe durch Schulsozialarbeit
- Fachkompetenz (z.B. Unterrichtsqualität, Durchführung von Schulversuchen)
- Methodenkompetenz und Präsentationsfähigkeit
- Sozialkompetenz; Kommunikations- und Teamfähigkeit
- Lernort- und Schulkooperation
Kernziele pädagogischer Schulentwicklung
Die Veränderungen der beruflichen Qualifikationsstrukturen und die oftmals unsichere Lebens- und Berufsperspektive erfordern ein hohes Maß an Flexibilität und lebenslanger Lernbereitschaft. Lernende müssen immer mehr Ich-Identitätsarbeit leisten, also Kompetenzen zur Selbstgestaltung und zur Bewältigung kritischer Lebensphasen erwerben.
Der Lernort BBS H/S wird sich in der Konsequenz so gestalten, dass darin stabile und zukunftsorientierte Lernhaltungen (Selbstkompetenzen) sowie sach- und arbeitswelterschließende Lern- und Arbeitstechniken (Fachkompetenzen) gefordert und gefördert werden.
Als entsprechende Grundsätze für die Lernorganisation sehen wir:
- Handlungsorientiertheit
- Ausrichtung auf Biografie, Lebenswelt und Zukunft der Lernenden
- Ausgleich und Vermeidung benachteiligender Lernbedingungen
- Beratung und Begleitung im Prozess der Selbstgestaltung und Lebensplanung
Die BBS H/S will es Lernenden ermöglichen, individuell angemessene berufs-, weiterbildungs- und persönlichkeitsorientierte Entwicklungsaufgaben zu bewältigen.
Unsere Angebote:
- Abschlüsse in hauswirtschaftlichen, sozialpädagogischen und sozialpflegerischen Berufen in enger Verzahnung von Unterricht mit Betriebspraxis in Betrieben und Einrichtungen
- aufstiegsqualifizierende Weiterbildung
- Erwerb von Schulabschlüssen und Studienberechtigungen
- berufsfeldorientierte Grundbildung
- arbeits- und lebensweltbegleitende Lernunterstützung
- Nachholen von Abschlussqualifikationen in Verbindung mit Berufsbildung
- Entwicklung zukunftsorientierter Bildungsangebote
Die BBS H/S fördert verstärkt die Selbstgestaltungsfähigkeiten und das eigenverantwortliche Arbeiten und Lernen. Sie fühlt sich besonders einer Berufspädagogik verpflichtet, die berufsbezogene und persönlichkeitsorientierte Kompetenzentwicklung in einem "lebendigen Lernen" integriert.
Leitziele
Unterricht
Unser Unterricht wird von Lehrerinnen und Lehrern gestaltet, die auf dem aktuellen Stand der fachwissenschaftlichen und pädagogischen Diskussion sind.
Wir initiieren handlungs- und projektorientiertes Lernen unter besonderer Berücksichtigung der Prinzipien des erwachsenengemäßen Lernens.
Wir verstehen uns als lernende Organisation, die allen Beteiligten die Chance gemeinsamer Lernerfahrungen bietet.
Unser Ziel ist die Ermöglichung von Eigenverantwortlichkeit und Selbstorganisation.
Lehrerinnen und Lehrer nehmen kontinuierlich an Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen teil. Die Auswahl der Fortbildungsinhalte orientiert sich an den sich wandelnden Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler sowie den Interessen und Fähigkeiten der Lehrerinnen und Lehrer.
Kooperation innerhalb des Kollegiums
Das Kollegium plant und gestaltet den Unterricht kooperativ und arbeitet bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen sowie der Entwicklung von pädagogischen Maßnahmen und Inhalten mit der Schulleitung zusammen.
Kolleginnen und Kollegen arbeiten in verschiedenen Gremien mit, die eine Verbesserung der Qualität des Unterrichts und der pädagogischen Beziehung zum Ziel haben.
Die Lehrerinnen und Lehrer planen und realisieren den Unterricht in Lehrerteams. Die Teamsitzungen finden regelmäßig innerhalb festgelegter Zeiten statt, die im Stundenplan eingeplant werden.
Die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen wird durch das Angebot einer regelmäßigen Supervision unterstützt.
Lernortkooperation
Wir kooperieren mit zahlreichen Ausbildungseinrichtungen im hauswirtschaftlichen, pflegerischen und sozialpädagogischen Arbeitsfeld. Wir arbeiten mit Berufsverbänden zusammen, wir engagieren uns in Gremien und Organisationen zur Förderung unserer unterschiedlichen Schülergruppen.
Außerschulische Beratungseinrichtungen sind unsere Partner bei der lebensweltorientierten Beratung und Begleitung der Lernenden.
Öffentlichkeitsarbeit
Wir stellen die wachsende Relevanz der beruflichen Tätigkeiten im hauswirtschaftlichen, sozialpädagogischen und sozialpflegerischen Arbeitsbereich in der Öffentlichkeit dar. Wir informieren über Ausbildungswege in diesen Arbeitsfeldern.
Kommunikation
In der alltäglichen Kommunikation pflegen wir einen wertschätzenden und partnerschaftlichen Umgang.
Darüber hinaus trainieren wir gezielt die Kommunikationskompetenzen der Lehrerinnen und Lehrern / Schülerinnen und Schüler.
Wir unterstützen und pflegen kontinuierlich die Streitkultur, z.B. durch das Streitschlichterprogramm "Streitpunkt".
Die pädagogische Arbeit des Kollegiums wird unterstützt durch Schulsozialarbeit, die alle Lernenden und Lehrenden kooperativ begleitet und berät.
Wir bieten Schulseelsorge als eigenes Profil im Rahmen der Qualitätsentwicklung an.
3.6 Gesundheit und Arbeitszufriedenheit
Die Qualität des Unterrichts und die pädagogische Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden werden wesentlich von der Arbeitszufriedenheit aller am Schulleben Beteiligten beeinflusst. Um Berufszufriedenheit zu sichern und Gesundheit zu erhalten werden belastende Arbeitsbedingungen abgebaut.
Innerschulische Kooperation
Qualitätsentwicklung
Die Schulleitung sichert die Qualität der pädagogischen Arbeit bei der Planung, Durchführung und Evaluierung des Unterrichts und der unterrichtsübergreifenden Aufgaben.
Schulklima
Alle Mitarbeiter der Schule begegnen sich mit gegenseitiger Wertschätzung und Akzeptanz. Die Schulleitung fördert Begegnungsmöglichkeiten für das Kollegium zur Unterstützung des beruflichen und persönlichen Austauschs.
Die Schulleitung arbeitet an der Verringerung belastender Arbeitsbedingungen zur Sicherung der Berufszufriedenheit und Gesundheit. Nach Analyse der schulspezifischen Lage und ihrer personenbezogenen Auswirkungen verbessert die Schulleitung die Rahmenbedingungen durch Maßnahmen der internen Schulgestaltung.
Personalentwicklung
Die Schulleitung unterstützt Kollegium und Mitarbeiter bei der Wahrnehmung ihrer fachlichen bzw. pädagogischen Verantwortung. Die Schulleitung trägt Sorge für die bedarfsgerechte Kompetenzstruktur und -entwicklung des Personals. Schulleitung und Mentoren arbeiten in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern mit.
Kommunikationsstruktur und -kultur
Die formellen Rollen aller in der Schule Beteiligten werden klar definiert und aufeinander abgestimmt. Die Transparenz wird durch offene Kommunikation und effektiven, ungestörten Informationsfluss sichergestellt. Rollentransparenz ist die Basis für eine verständnisvolle Kooperation und realistische Erwartungen. Die Schulleitung informiert das Kollegium und die Mitarbeiter/innen zeitnah und bindet die zuständigen Mitarbeiter diskursiv in Entscheidungsprozesse ein. Die Schulleitung richtet dafür auch technische Informationswege ein.
Partizipation
Die Schulleitung beteiligt das Kollegium an allen die Schulgemeinschaft betreffenden Meinungsbildungsprozessen und Entscheidungen. Im Handlungsspielraum werden Entscheidungen in Form von Vereinbarungen zwischen den betroffenen Gruppen und der Schulleitung herbeigeführt. Die Übertragung von Aufgaben erfolgt gemäß der Qualifikation der Mitarbeiter/innen. Die Schulleitung stellt Ressourcen zur Verfügung.
Zuverlässigkeit
Die Schulleitung vertritt die Interessen von Kollegium, Mitarbeitern und der Schülerschaft zuverlässig gegenüber Entscheidungsträgern (Land, Schulträger, Kooperationspartner).
Umsetzung
Zur Realisierung dieser Ziele schlägt der ÖPR im Auftrag des Kollegium im kommenden Schuljahr folgende konkrete Schritte der Umsetzung vor:
- Für Klassenkonferenzen / Dienstbesprechungen etc. werden feste Zeiten im Stundenplan freigehalten.
- Die Schulleitung sorgt für kontinuierliche Ansprechbarkeit der Funktionsträger. Dazu dienen u.a. Sprechstunden zu festen und zu individuell vereinbarten Terminen.
- Die Schulleitung nimmt bei persönlichen und schulischen Problemen rechtzeitig ihre besondere Fürsorgepflicht für die Beschäftigten wahr.
- Die Schulleitung unterstützt das Kollegium und den ÖPR bei der Entwicklung einer über den Unterricht hinausgehenden Schulkultur.
- Die Schulleitung sorgt für eine frühzeitige Beteiligung des Personalrats an Personalentscheidungen.
- Die Schulleitung organisiert regelmäßige Besprechungen der verschiedenen Arbeitsgruppen und schafft Raum für Informationsaustausch und Information. Sie fördert eine offene und gleichberechtigte Kommunikationsstruktur und eine innovative Konferenzkultur (Arbeitstreffen, Workshops und Seminare). Ziel ist die gemeinsame Weiterentwicklung der Konferenzgestaltung und eine effektive Nutzung der zeitlichen Ressourcen des Kollegiums.
- Bereits vorhandene Ansätze bei der Stundenplangestaltung (Einbuchung und Planungskonferenzen) werden weiterentwickelt.
- Schulleitung und Kollegium treffen gemeinsam und gleichberechtigt Entscheidungen über räumliche und finanzielle Ressourcen.
- Die Schulleitung sorgt für die Einweisung und Ausbildung aller Kolleginnen und Kollegen im Umgang mit Material und Medien. Material / Medien sind für alle Kolleginnen und Kollegen zugänglich. Medien und Arbeitsmaterialien werden gepflegt.
- Neuen Kolleginnen und Kollegen wird ein Coach zur Seite gestellt.
